05.05.-19.05.2024

Die erste Aufgabe bekomme ich bereits, als ich morgens um kurz vor 8 Uhr am 05.05.2024 auf dem Bahnsteig in Mainz stehe: Die Dieselheizung, die Filip am Abend angeschaltet hatte, meldet sich bei mir auf dem Telefon mit der begründenden Warnung ab, dass sie nicht mehr genügend Spannung im Servicenetz an Bord vorfindet, um guten Gewissens weiterzulaufen. Na wunderbar. Ich schreibe Filip an, der aber noch schläft, er soll mal nach dem Ladestand der Servicebatterie schauen. Er meldet sich später bei mir mit der Information, dass die bei nahe null sind. Mit dem Elektriker der Marina stellt sich heraus, dass die landseitige Sicherung raus ist. Das war sie wohl schon seit einigen Tagen und da es viel regnete, wurde mehr Strom verbraucht, als im Hafen durch die Solarzellen produziert wurden, zumal der installierte Sonnenschutz einen Großteil der Solarmodule verdeckt, während er dabei mehr den Regen als die Sonne abhielt.

Nachdem die Sicherung wieder drinnen ist, gehen die Servicebatterien immerhin auf 30 %, bevor die Sicherung wieder herausfliegt und zu mehr Stromfreigabe auch nicht mehr zu bewegen ist. Das reicht erst mal. Ich recherchiere, was Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePO4) so aushalten und stelle erleichtert fest, dass sie gegenüber den Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in Autos verbaut sind, deutlich robuster gegenüber geringen Ladezuständen sind. Sie dürften diese seltene Art der Behandlung verzeihen, auch wenn diese sicherlich nicht von großem Vorteil ist.

Meine Zugverbindung ist gut. Ich steige nur in Frankfurt und in Paris um, und bin vor 20 Uhr am Mittelmeer in Antibes. Im Gepäck habe ich neben meiner kompletten Schwerwetterausrüstung, die nach der Ausbildung im Solent wieder an Bord muss, jetzt noch zusätzlich eine Menge Ersatzteile, die meine Tasche bleischwer macht. Ich weiß nicht, wie ich das alles zusätzlich in die bereits bei der Abreise vom Boot in Antibes volle Tasche bekommen habe.

Mein TGV kommt für deutsche Verhältnisse erneut ungewohnt pünktlich an. Es stellt sich im Anschluss nach einer längeren Fehlersuche heraus, dass Regenwasser in einer Kupplung zwischen Landkabel und Adapter für den Stecker gelangt war. Das mache ich trocken und der Strom fließt wieder. Ich verstaue meine Sachen und wir feiern Wiedersehen.

Es ist Samstag und ich hatte den Platz bis Montag reserviert. Am Montag werde ich um Verlängerung für 1–2 Tage bitten, es ist noch so viel zu tun und ich möchte uns nicht hetzen.

Ein paar Sachen habe ich auf dem Zettel, die ich allerdings gleich noch am Wochenende erledigen möchte. So demontiere ich zunächst den Abflussschlauch des Waschbeckens im Bad, da das Wasser bereits seit einiger Zeit nicht mehr ablaufen möchte und mich mittlerweile deutlich nervt. Das Ganze wird auf der Pier mit Wasser kräftig durchgespült. Der gleiche Versuch, also das Durchspülen des Schlauchs mit Wasser und Druck, hatte mir letztes Jahr das Bad unter Wasser gesetzt, ohne die Verstopfung zu beseitigen. Das mache ich nicht noch mal an Bord bei installiertem Schlauch. Der Schlauch muss jetzt dafür eben ab und nach draußen.

Eine gebrochene Öse einer Lazyline wird ebenfalls nachgekauft, das Internet wieder halbwegs zum Laufen gebracht. Die Navigationselektronik bekommt ein großes Update und stürzt seitdem alle 10 Minuten ab. Es stellt sich später heraus, dass das an Files auf einer der SD-Karten im Plotter lag. Vermutlich den Installationsfiles selbst, die nach erfolgter Installation den Crash verursachten. In dem Telefonat mit dem Raymarine Service hatte ich noch zusätzlich gelernt, dass große Updates über mehrere Geräte in einer Reihenfolge zu erfolgen haben, die hier beschrieben wird: Prioritäten beim Software-Update via LightHouse 3 / 4 Multifunktionsdisplay (DE). Die elektronische Seekarte bekommt ebenfalls noch eine umfangreiche Aktualisierung, solange wir im kostenfreien WLAN des Hafens sind. Die SD-Karte, auf der die elektronische Seekarte liegt, sollte übrigens gegen eine leere SD-Karte getauscht werden, wenn große Softwareupdates gemacht werden, um die Seekarte nicht zu beschädigen. Das hatte ich ebenfalls nicht gewusst.

Der große Wasserfilter im Boot wird wieder mit einer Keramikkartusche bestückt, diese waren ausgegangen. Der alte Membranfilter für den Wasserschlauch wird leider nicht mehr hergestellt. Somit erstand ich eine neue Filterkaskade, die im Schlauch installiert wird, mit der weiterhin das Wasser beim Befüllen erstmalig vor dem Tank gereinigt wird. Hier habe ich jetzt einen groben Vorfilter für z. B. Sand, ein Durchflussmesser und ein Feinfilter vom Campingbedarf.

Der Furlingmotor der Genua war auch aufs Neue ausgefallen. Ich lasse das Regenwasser aus dem Kabelschlauch ab, der vom Motor in den Verteilerkasten führt und trockne letzteren im Ankerkasten. Endlich klebe ich nun auch den Kabelschlauch wasserdicht ab, in dem sich nicht das erste Mal das Regenwasser sammelt, dessen Feuchtigkeit dann die Elektronik in der Steuerung verwirrt. Der Schlauch selbst passt leider, durch die Art des Beschlags davor, nicht auf den Ausgang des Motors.

Hiermit ist die Funktionsweise aber nur insofern wiederhergestellt, als sich das Segel ausfahren lässt. In umgekehrter Richtung bewegt sich der Motor nicht. Ohne besonderen Verdacht schraube ich die Plottertochter am Fahrstand im Cockpit weg, um an die Anschlüsse des Schalters dahinterzukommen. Ich will hier mal anfangen und messen, was der Strom denn so macht, wenn man den Schalter drückt und dann weiter sehen. Die Ursache ist dann so banal, dass ich weder messen noch mich auf die Suche nach einem Techniker machen muss. Ein Stecker ist einfach abgefallen und ich froh, dass hier hierfür niemanden habe kommen lassen. Man darf wohl wirklich immer erst mal selbst genauer schauen und sollte nicht zu viel Respekt vor der Technik haben.

Was aber auch nicht alles passiert, wenn man mit dem Boot mal ein halbes Jahr einfach nichts macht. Aus Protest lösen sich ein Stecker, der 4 Jahre lang bei Wind, Wetter und jeder Welle fest an seiner Position saß.

Am Montagmorgen stellt sich heraus, dass wir keine Verlängerung an unserem Liegeplatz bekommen. Das trifft uns unvorbereitet und es wird hektisch. Filip geht schnell noch mal Lebensmittel einkaufen und bringt eine zweite SIM-Karte für das Internet mit. Ich mache das Boot soweit klar, wie es eben geht und als wir kurz nach 12 Uhr nahezu fertig sind, taucht schon unser Nachfolger auf, der den Liegeplatz mit und für sein Boot reklamiert.

Wir verlassen Antibes und fahren wieder hinaus auf das Meer, von wo wir letzten Winter etwas demotiviert und ausgelaugt kamen. Das ist heute anders. Es ist schön, wieder am Steuer des Clipper zu stehen. Die Strecke ist heute nur ein Katzensprung zu den der Stadt Cannes vorgelagerten beiden Inseln Iles de Lérin. Der Anker gleitet in deren vermeintlichem Schutz auf den Grund und es entstehen wunderbare Aufnahmen mit der Drohne.

Leider ist der Schutz nur dann gegeben, wenn der Schwell aus südlichen Richtungen kommt. Er drückt die Nacht aber immer mehr aus Osten zwischen die Inseln und beschert uns abwechslungsreiche Bootsbewegungen, denen wir die meiste Zeit in der Nacht Welle für Welle aufmerksam folgen.

Von Filip bekomme ich daraufhin die Gelbe Karte und frage in Cannes an, ob sie ein Plätzchen für uns haben. Man teilt uns zu meiner großen Erleichterung mit, dass man schon etwas finden wird und wir machen uns auf den kurzen Weg. Es wird dann noch spannend, da die ersten zwei Plätze, die wir über Funk zugewiesen bekommen, entweder zu klein oder schlicht besetzt sind. Wir lernen den Hafen, meistens rückwärts fahrend und das Clipperchen hinter uns herziehend, dadurch ausgezeichnet kennen, bis wir uns doch in eine zugewiesene Lücke zwängen können.

Cannes steht unübersehbar drei Wochen vor seinem größten Fest, den Filmfestspielen. Überall werden Bühnen, rote Teppiche und Eventlocations aufgebaut.

Wir laufen die berühmte Strandpromenade entlang, vorbei an fürchterlich teuren Lokalen, wo man in ein paar Tagen mehr oder weniger geduldig erklärt bekommt, warum man hier nicht hineinkommt, um ein Vermögen für tendenziell Durchschnittliches loszuwerden.

Da wir nun schon mal hier sind, bleiben wir drei Tage und erkunden die schöne, aber übersichtliche Stadt und beobachten gespannt die Aufbauarbeiten zum Festival am Hafen.

Am ruhigen Steg liegend, beginne ich das nächste Projekt: Die Dämpfer der Zuzieher der Schublade mit den schweren Töpfen dämpfen nicht mehr und schlagen einfach so zu, was über die Zeit die Blende vom Korpus lösen wird und gemacht werden muss. Normalerweise sind diese extrem robust, aber wo rohe Kräfte, wie die See und ich, manchmal vorsätzlich walten …

Ich hatte mir von der Werft Ersatz nach Mainz liefern lassen und die sehr schweren Schienen nach Antibes geschleppt, die nun tatendurstig auf ihren Einsatz warten.

Die Operation verläuft sehr zu meiner Zufriedenheit und die Schublade ist danach wie neu.

Weniger erfolgreich verläuft die Reparatur der Pforte im Heck. Der Mechanismus dort hat nun aufgegeben, nachdem ich ihn bereits viele Male instand setzen musste. Ein kleines Plastikteil ist gerissen, in dem eine Schraube sitzt, die die Mechanik zum Öffnen der Tür hält. Ich lasse die Wartungsklappe nun offen, was nicht schön ist, aber die Funktionalität erhält. Das wird ein Thema für die kommende Winterpause. Die rostende Schraube kommt übrigens von mir. Mir war die Originale ins Wasser gefallen und ich lernte, dass die richtige Größe alleine es definitiv nicht macht. Sie sollte auch Edelstahl oder Ähnliches sein.

Nach drei Tagen hat der Wind gedreht und sich beruhigt, sodass wir uns erneut die Iles de Lérins vor Cannes vornehmen, die wir bislang nur vom Wasser aus gesehen hatten.

Als wir ankommen, bemerken wir sofort: Es wird hier immer voller. Die Dichte an potenzieller Kundschaft bringt allerdings ein Angebot auf den Plan, dass ich so bisher weder erwartet noch gesehen habe. Es kurven zwei Boote mit Eis und eines mit Cocktails zwischen den Ankernden herum. Man braucht hier nur zu winken und schon kommen sie herbei und verkaufen einem Köstliches von Bordwand zu Bordwand. Uneigennützig erstehe ich uns für 10 EUR etwas Eis, selbstverständlich nur um des Fotos willen.

Wir genießen die Sonnenuntergänge hier …

… und packen abends mal wieder eines unserer Brettspiele aus, um den Tag in lauschiger Atmosphäre ausklingen zu lassen. Noch kühlt es fantastisch ab, sodass auch die dekorative Öllampe zum Einsatz kommen darf. Es ist um diese Zeit wirklich schön hier.

Dann folgt der nächste Wartungsrückschlag. Der elektrische Außenborder verweigert den Dienst, als wir ihn für unseren ersten Landgang nach der Winterpause wieder in Betrieb nehmen wollen.

Das Problem ist, dass die Elektronik die Drehimpulse des Handgriffs für Vorwärts / Rückwärts und die Geschwindigkeit nicht mehr richtig annimmt, wie ein Drehpoti, der aufgegeben hat, nur dass es hier keine Mechanik dazu gibt, sondern das, so vermute ich, irgendwie mit Magnetismus passiert. In der Folge weigert sich der Motor nun, überhaupt zu arbeiten.

Ich baue das Teil auseinander, auch wenn ich keine Ahnung habe, was dabei herauskommen soll. Aber mehr als nicht mehr funktionieren kann er ja schlecht. Es gibt hier allerdings nichts Offensichtliches zu tun. Feuchtigkeit oder etwas anderes Einfaches ist keine da. Das hindert mich nicht, etwas Feuchtigkeitsentferner für Elektronik auf die Platine zu sprühen. Mehr Hokuspokus kann ich hier nicht und es verändert auch nichts. Ich beginne zu recherchieren, was man noch machen kann, registriere mich beim Support von ePropulsion, melde mich bei der entsprechenden Facebook-Gruppe an, verfasse ein Ticket an den Support in Deutschland mit der Bitte um dringende Hilfe. Der nächste Hafen hätte in Taxidistanz sogar einen Bootshändler, der auch ePropulsion vertreibt. Das schreibe ich mit dazu und hoffe auf qualifizierte und hilfreiche Antwort, nach dem Wochenende.

Am Sonntag haben wir in einem tollen Restaurant auf der südlichen Insel Île Saint-Honorat reserviert und gedenken alle Schwierigkeiten zum Trotz dort auch aufzutauchen, zumal ein No-Show viel Geld für nichts kosten würde, dass es sich schon deswegen lohnen würde, den Weg zu schwimmen. So rudere ich uns halt zum Ufer, was aber bei deutlichem Wind und Strömung zwischen den Inseln hindurch sehr mühsam und kraftraubend ist. Am Ende darf ich gefühlt die doppelte Strecke kräftig rudern, da ich massiv vorhalten muss, um nicht auf das Meer hinaus getrieben zu werden. Wir schaffen das aber und kommen nach kurzem Fußweg an unserem Ziel an.

Unser Mittagessen fällt traumhaft aus, auch wenn man hier vorwiegend für die Sicht spürbar bezahlt und sich der Kellner am Ende für den Service entschuldigt. Uns ist das heute egal, wir sind tiefenentspannt und nehmen es, wie es kommt. Ich genehmige mir sogar ein Glas Weißwein, was ich tatsächlich sonst niemals mache, solange die Sonne nicht im Hafen unter die unterste Rahe sinkt.

Im Anschluss wandern wir durch den Wald um die kleine Insel herum, besuchen das Kloster und unterhalten uns über Gott und die Welt, bevor wir sehr zufrieden nach dem Mittagessen und weitläufigem Spaziergang wieder am Clipperchen ankommen, um unseren mühsamen Rückweg anzutreten.

Ich rudere, der Wind und damit die Strömung haben dankenswerterweise etwas abgenommen, sind aber immer noch spürbar vorhanden. 15 Meter vom Clipper entfernt, gibt dann die Dolle auf, an der das Ruder befestigt ist. Sie bricht.

Das ist bei Wind und Strömung nicht ideal und uns rettet nur der Umstand, dass wir es mit anderthalb Rudern nicht mehr weit haben und gerade so noch zum Clipper schaffen, womit wir nicht zu einem peinlichen Fall einer Rettung durch das vertreibende Schlauchboot werden.

Nachdem auf Sardinien vor etwa einem Jahr bereits der untere Teil gebrochen war, kann ich mir dieses Mal gar nicht genug gratulieren, dass ich damals großzügig Ersatzteile für diesen Beschlag gekauft und an Bord genommen hatte.

Somit ist eine Reparatur schnell erledigt und das Clipperchen wenigstens für den notdürftigen Einsatz per Ruder sofort wieder bereit, was mich ungeheuer erleichtert. Es bliebe sonst nur noch Schwimmen übrig, um von der Ankerstätte an Land zu kommen, was nicht immer praktikabel ist, insbesondere bei dem Besuch eines Supermarktes oder der Oper, auch wenn letztere zugegebener Maßen eine theoretische Einschränkung bleibt.

Vor Anker liegend, teste ich nun auch den Gaswarner, ohne dabei direkte Nachbarn in der Marina mit dem Lauten hupen der Sirene zu stören. Der Gassensor sitzt unter dem Herd. Fließt Wasser unbemerkt unter und hinter den Herd, dann säuft der Sensor ab und verabschiedet sich mit einem letzten lauten Alarm. So passiert das erste Mal vor Sizilien und dann noch mal im letzten Winter, kurz vor Einlaufen. Auch hier habe ich mittlerweile ein paar Ersatzsensoren, von denen einer schon wieder an seinem Platz sitzt, aber bisher nicht getestet wurde. Er bekommt aus einem Feuerzeug Gas vor die Nase gehalten und besteht den Test lautstark, womit dieser wichtige Teil der Elektronik auch noch abgenommen ist.

Abraten möchte ich an der Stelle vor Kontaktspray, den ich kurz vor dem Einsetzten des Gassensors auf seine Kontakte, die in die Fassung kommen, gesprüht hatte. Der Sensor ist dermaßen sensibel, dass er fortan ständig Fehlalarm gab und sich erst mal ein paar Wochen beruhigen musste. Ich habe nun auch einen mobilen Gassensor an Bord, falls es mal Grund zum Misstrauen geben sollte. Man will bestimmt nicht mit der offenen Flamme testen, ob sich explosives Gas in der Bilge gesammelt hat, auch wenn der Test im Positivfall zumeist sehr eindeutig ist.

Da ich schon mal dabei bin, lese ich mir an, wie der Rauchmelder getestet wird und führe denselben, von meinem neuen Wissen beseelt, sofort durch. Filip springt fast durch die Decke und ich verspreche etwas kleinlaut, das nächste Mal kurz vorher Bescheid zu geben, bevor ich das Horn von Mordor aktiviere.

Der Temperaturgeber außen im Cockpit liefert ebenfalls falsche Werte, sodass ich auf ein durchtrenntes Kabel tippe, dass ich bei der Installation der neuen Navigationsleuchte in Antibes offenbar versehentlich an der gecrimpten Stelle durchtrennt hatte. Ich behalte etwas stolz recht, krimpe die zwei Kabelenden erneut und verstaue das Kabel nun besser als zuvor.

Weiterhin haben wir das Problem, dass wir in der Bilge im Bad alle paar Tage etwas Wasser haben, das dort keinesfalls hingehört. Regelmäßig aktiviert es den dort sitzenden Wasserwarner, was ein Höllenlärm ist und gelinde nervt, vor allem wenn es mitten in der Nacht passiert.

Zunächst ist vollkommen unklar, woher das Wasser kommt und die Ursache schwierig zu lokalisieren. Es ist so wenig, dass man hier mehr von kriechender, sich sammelnder Feuchtigkeit sprechen muss, als einem kleinen Fluss, den man nur Bergauf entlanggehen müsste, um zur Ursache zu gelangen. Ich fange an, alle möglichen Wasserquellen mit Taschentüchern zu ummanteln, womit sich nach kurzer Zeit die Frischwasserpumpe schuldig bekennt. Ich hatte auf den Wasserfilter getippt und entschuldige mich bei ihm in aller Form.

Was ich damit mache, weiß ich noch nicht. Ich lasse es erst einmal, wie es ist und warte darauf, dass mich Ideen und Muße küssen. Stattdessen räume ich mal meine Schubladen auf, in denen das Meiste an Werkzeug und Ersatzteilen gelagert ist. Die Unordnung ging mir bereits seit Längerem gehörig auf die Nerven und mein letzter Trip auf Leons hervorragend organisierten Regina Laska zeigte mir, wie man es auch machen kann.

Dann kommt es fast zu einem Wiedersehern nach langer Zeit. Andreas Fuchs ist Pilot. Wir kennen uns noch von der Online-Flugsimulationsplattform VATSIM, bei der ich viele Jahre sehr intensiv dem Hobby der Flugsimulation mit Begeisterung nachging.

Andreas fliegt und controlled wahrscheinlich heute noch bei VATSIM. Ein besonders klassischer Fall von Hobby zum Beruf gemacht. Er fliegt für eine Airline, die mit Businessjets eine Art Taxi für die Leute darstellt, die zu reich für Linie, aber zu arm für den eigenen Jet sind. In Skiathos hätte es letztes Jahr fast mal geklappt, dass wir uns mal wiedersehen. Wir haben uns dann aber doch um ein paar Tage verpasst.

Als wir jetzt hier zwischen den Iles de Lérins liegen, meldet er sich wieder, da er nach Nizza kommen und ggf. sogar eine Nacht Aufenthalt haben wird. Wären wir noch in Antibes, wäre es perfekt. Wir sind aber schon zu weit weg, sodass wir nur ein Bild voneinander machen können, er aus dem Flieger und ich von Flightradar24, wie er startet.

Bei VATSIM kann man als Fluglotse die Flieger am virtuellen Radar leiten oder eben selbst fliegen und ist durch das VATSIM Netzwerk miteinander verbunden. Es werden dort die realen Gegebenheiten zwischen Lotse und Pilot sehr detailliert nachempfunden, was der Gegenstand dieses Simulationshobbys ist. Wenn man dann fliegt, macht man das natürlich mit einer Airline, die einem sympathisch ist. Ich hatte mir damals die virtuelle Airline Pan Am genommen, nicht nur wegen ihres Kultstatus, sondern auch des Rufzeichens. Eine Lufthansa wird mit ihrem Firmennamen vom Fluglotsen gerufen (so etwas wie Lufthansa 3EA). Relativ fantasielos, wie ich finde. Eine Britisch Airways lässt sich dagegen mit Speedbird und eine Buchstaben-/ Zahlenkombination ansprechen, was schon besser ist. Die alten Pan Am Maschinen allerdings, die ihre ersten Linienflüge ab 1931 mit Flugbooten absolvierten, wurden Clipper, gefolgt von meist einem Städtenamen getauft. Das Rufzeichen war entsprechen ebenfalls Clipper, mit einem Zusatz, der den aktuellen Flug bezeichnet und erinnerte an die späten schnellen Rahsegler, wie die Teeklipper, die mit ihren oft verderblichen Ware besonders schnell segelten konnten und mussten. Dass die Sirius 35 mit der Baunummer 45 ebenfalls so heißt, könnte reiner Zufall sein.

Das mit Andreas klappt schon noch eines Tages, denke ich mir, während ich im Wortsinn meine Kreise ziehe. Nach Verlassen der Ankerinseln kalibriere ich seit langer Zeit mal wieder den elektronischen Kompass und damit den Autopiloten sowie den Windgeber. Dazu muss man einige Male im Kreis fahren, bis Erdmagnetfeld und dann der Wind neu vermessen sind. Anschließend wird auch dieser Punkt auf der kürzer werdenden Liste an To-dos mit Genugtuung gestrichen.

Auf dem weiteren Weg nach Frejus, unserem nächsten Ziel entlang der Küste, kommen wir an Teppichen von Tausenden Quallen vorbei, die ein wenig aussehen, wie spanische oder portugiesischen Galeeren. Gemeint sind die besonders giftigen Quallen mit Ihren Segeln, die man gerne mal auf dem Nordatlantik zu Gesicht bekommt.

In diesem Fall soll es sich um etwas anderes handeln, aber gesichert wurden die Originale bereits im Mittelmeer und die schiere Menge hier ist unheimlich und eklig zugleich.

In Frejus haben wir nur einen kurzen Aufenthalt von zwei Tagen, vom 12.05. bis 14.05. Das Wetter ist einfach zu gut, auf das wir weiter fahren. Durch den Mistral ist die vorherrschende Windrichtung Westen. Wenn dann mal der Wind in die andere Richtung weht, sollte man seinen Zug nicht verpassen, auch wenn es hier schön ist. Vor ein paar Tagen kam sogar das olympische Feuer im benachbarten Saint-Raphaël an Land.

Der Liegeplatz und der Hafen sind wirklich toll. Es ist der erste Hafen, wie wir ihn noch ein paar mal so ähnlich an dieser Küste zu sehen bekommen werden, wo man eine Marina und eine Ferienwohnanlage miteinander kombiniert. Ich hätte mich hier durchaus auch für länger einrichten können, wenn es hätte sein müssen.

Am 14. Mai lassen wir uns dann kräftig zur Marines de Cogolin pusten, die neben Port Grimaud liegt, was eine noch viel größere Symbiose zwischen Ferienwohnanlage und Marina darstellt. Auf dem Weg surfen wir im Schmetterling die Wellen hinunter und erreichen Rekordgeschwindigkeiten.

Wir biegen in die Bucht von St. Tropez ein, lassen den gleichnamigen Ort links liegen und fahren bis zum Ende der Bucht, um dort den Hafen zu erreichen, der immerhin auch bei dem Wind und der dort bereits zahmeren Welle gut befahrbar ist.

Zum Glück sind die Marineros hier auf Zack und professionell. Wir haben starken Seitenwind. Ein Anleger römisch-katholisch ist da so eine Sache. Man vertreibt eigentlich sofort zur Seite und endet sehr unrühmlich in anderes Booten, wenn man nichts hat, an dem man sich bei dem Manöver festhalten, oder an das man sich lehnen kann. Hier aber wird mit einem starken Schlauchboot Schlepperhilfe geleistet und der Bug in Position gehalten, bis wir am Heck fest sind und die vorn stabilisierende Mooringleine übernommen haben. Der Anleger gelingt gut und wir bekommen Lob für das Manöver, das wir gerne zurückgeben.

Von hier aus ist man in 20 Minuten mit dem Bus in St. Tropez. Wir besichtigen dieses Disneyland und haben die ersten Hingucker in Form von Bootsnamen, die sich die Eigner auf ihre Rümpfe malen. Weil es einem sonst keiner glauben würde, hier ein paar Beweisfotos.

Fragwürdige Namen sind nun keine besondere Eigenheit von Superyachten. Auch sehr in der Kritik stehen bei Segelyachten, insbesondere Namen wie My Way, Carpe Diem und Ähnliches. Fragwürdige Namen sind auch keine spezifische Besonderheit für den Ort hier, aber es fiel irgendwie an dem Tag besonders auf.

Mein Favorit ist bla bla…b. Hier möchte ich mal hören, wie sich der Maydayruf damit anhören würde. Ansonsten hat man heute Feiertag, die Stadt ist geschmückt und man böllert an jeder Ecke mit den historischen Musketen Schwarzpulver in einer Lautstärke in die Luft, dass mir fast die Trommelfelle herausfliegen. Die Profis tragen Ohrenstöpsel, was wir bald etwas schmerzhaft verstehen lernen.

Wir flanieren durch den Ort und begaffen die Szene. Kurz überlegen wir, ob wir im Café Dior zu Mittag essen. Die Kundschaft dort sagt uns aber nicht zu und wir gehen an einen Streetfood Wagen und sind dort glücklich. Später bekomme ich noch ein Rieseneis und kann mein persönliches Glück kaum noch fassen.

In die Boutique Balenciaga trauen wir uns beim zweiten Vorbeilaufen sogar hinein. Filip erklärt mir, dass die sich auf besonders trashiges Design spezialisiert haben. Ein verschmutzter und zerrissener Hoodie kostet knapp 1.000 EUR. Die Klamotten des Verkäufers sind so von einem anderen Stern schräg, dass ich mich nur mit Mühe anhalten kann, ein Foto von ihm zu machen. Er fragt, ob ich den Hoodie mal anprobieren wolle. Ich lehne dankend ab. Solch einen Hoodie habe ich schon. In den vergangenen Jahren selbst hergestellt. Seglerklamotten halt.

Auf der Rückfahrt nehmen wir die Fähre und steigen in Port Grimaud aus, das wir erstmals aus der Nähre sehen. Wir sind von Gilles, einem anderen Sirius 35 Eigner, zurecht vorgewarnt worden. Diese Marina verzaubert uns. Die Häuser wirken mehr gewachsen, als hingestellt, weil sie recht unterschiedlich zueinander sind. Das ganz wirkt wie ein besseres Venedig.

Wir schlendern begeistert durch den weitläufigen Ort und wollen kaum weg. Natürlich will man mal wissen, was ein solches Häuschen am eigenen Steg den Kosten soll.

Die Antwort liefert ein Makler im Ort. 90 Quadratmeter mit einem Anleger von 12 m × 4,34 m sind für 1 Million Euro zu haben. Wer auf den Anleger vor dem Wohnzimmer verzichtet, kommt deutlich günstiger davon. Wir behalten den Ort im Herzen und gehen nach nebenan in unsere vergleichsweise etwas schmucklose, aber funktionale Marina.

Am 15.5., also am dritten Werktag nach meiner Bitte um Hilfe meldet sich ein Mitarbeiter von ePropulsion und bittet mich, eine Kalibrierung des Außenborders vorzunehmen, was meiner Erwartung gemäß nichts bringt. Er schlägt mir dann vor, bei meinem Händler eine Gewährleistung geleitend zu machen. Das wäre dann allerdings ein griechischer Onlineversand. Mir sind die Kosten relativ egal. Ich werde viel Ankern, bekomme eine ganze Familie zu Gast. Der Clipper muss einen funktionierenden Außenborder haben! Die Kommunikation zieht sich über den Tag. Am Folgetag schlägt er dann vor, die Platine zu tauschen und gibt mir die Materialnummer.

Nichts ahnend, dass meine Odyssee damit erst richtig startet, schreibe ich zwei Firmen an, Bootspunkt in Deutschland und Maritimo in Österreich und frage an, ob man mir per Express das Teil zusenden kann.

Maritimo meldet sich als Erstes, hat das Teil auf Lager und will per UPS Express von Donnerstag auf Freitag, spätestens Samstag liefern. Die kleine Platine kostet 99 EUR, der Versand 62 EUR. Am Montag ist Pfingsten und wir fahren am Sonntag weiter. Das müsste klappen.

Das Wetter ist gut und ich mache mich auf, zu weiteren Heldentaten. Die Dachluke in der Mittelkabine leckt, wie im Winter nun hinreichend bewiesen, sogar bei Regen und muss dringend abgedichtet werden.

Zunächst war die Gummidichtung unter Verdacht, die ich bereits in Antibes wechselte. Das brachte aber keine Verbesserung, womit das Problem wohl tiefere Ursachen haben muss. Ich habe keine Vorstellung, welche inneren Werte ein solches Fenster überhaupt hat und nehme erst mal den Rahmen von innen ab. Hier war ohnehin die Sonnenblende mal wieder aus der Führung gerutscht und ließ sich nicht mehr vorziehen, was ich bereits zweimal hatte und nun mit immer mehr Übung reparieren kann. Es zeigt sich nun, mit freier Sicht von unten auf den Rahmen beim Testen mit dem Wasserschlauch, dass das Wasser seinen Weg eindeutig durch den Rahmen findet. Der sitzt geschraubt in seiner Fassung und lässt sich nach Entfernen der Schrauben aus seinem passenden Fundament weg heben.

Zum Vorschein kommt eine klebrige Masse, die wohl mal Sikaflex oder etwas Ähnliches gewesen war und sich vielleicht unter der Hitze Griechenlands so weit zersetzte, dass die schwächste Stelle undicht wurde.

Ich besorge mir Klebstoffreiniger und beseitige erst mal Rahmen und Fenster von den Rückständen der Dichtmasse.

Nach kurzer Rückfrage bei Sirius, ich lerne hier jeden Schritt und möchte keine dramatischen Fehler machen, kommt nun neues Sikaflex auf den Rahmen, welcher zurück in seine Fassung kommt und fertig ist das Meisterstück. Jetzt weiß ich wenigstens, wie das geht und außer Zeit und gutem Wetter muss man nicht viel mitbringen. Der nächste Verdachtsfall ist genau gegenüber, aber ich warte noch, bevor ich auch dran gehe.

Einmal in Fahrt und nach dem letzten Erfolgserlebnis widme ich mich weniger appetitlichen Dingen. Die Toilette ist dran. Seit Wochen läuft das Abwasser ein wenig zurück in die Schüssel, was aus mehreren Gründen ziemlich störend ist. Dass man hier das Rückstoßventil tauschen muss, weiß ich ja bereits und mache mich ans Werk.

Das ist am Ende weniger schlimm, als es sich anhört. Es ist jedoch sicherlich durchaus von Vorteil, das System eine Zeit lang vor dem Eingriff mit weniger fordernden Dingen zu belasten und gut durchzuspülen, was wir auch tun. Die Operation gelingt.

Derart beschwingt widme ich mich dem Vorläufigen Endgegner. Der Füllstandsanzeiger des Schwarzwasser- bzw. Fäkalientanks funktioniert seit einiger Zeit nicht mehr, was mich mehr als stört.

Gemessen wird in einem nach unten zeigenden Rohr, das sich unter der Wartungsöffnung des Tanks verbirgt. Wenn sich in diesem Rohr etwas festsetzt, wird nur noch bis dahin gemessen, sodass die Tankanzeige immer denkt, der Tank sei ebenso voll, wie bis dahin, auch wenn der Füllstand des ansonsten zeitweise eingebrachten Materials deutlich geringer oder auch höher ausfällt. Diese Angelegenheit ist dann noch einmal deutlich delikater als das Rückschlagventil. Ich sorge für gute Lüftung, der Tank ist so gut geleert und dann gespült, wie es eben geht. Ich gehe ans Werk und öffne vorsichtig die Büchse der Pandora. Das letzte Mal musste das der Azubi in der Werft in Lefkada machen. Ich hatte gut zugeschaut und kann es nun selbst.

Der entnommene Peilstab sieht dann von außen entsprechend aus und wird innen ähnlich belastet sein.

Mit einem Schraubenzieher kratze ich vorsichtig den Urinstein ab und spüle mit reichlich Wasser innen und außen nach. Anschließend sind die Komponenten blitzsauber und ich baue alles stolz zusammen, bis es einen Schlag gibt.

Der Schlag trifft nicht mich, sondern ist ein Kurzschluss, der geschieht, also sich die beiden Kontakte, die zum Ultraschallsensor im Deckel führen, berühren. Ich hatte diese nicht isoliert, sondern einfach frei fliegend stehen lassen. Mit großer Sorge gehe ich zur Simarine Anzeige, wo die Tankstandanzeige dargestellt wird und stelle zu meiner Bestürzung fest, dass das Gerät tot ist. Was für ein Rückschlag! Auf diesem Bildschirm laufen viele wirklich wichtige Informationen auf, wie Tankstände von Frischwasser und Treibstoff, aber auch der Ladezustand der Batterien, die sehr regelmäßig kontrolliert werden wollen.

Der Tausch der Sicherung bringt keine Veränderung. Habe ich das ganze Ding zerstört? Ich bin nun wirklich ein wenig verzweifelt und buche einen Beratungstermin über die Webseite des Herstellers, wirklich toll, was die anbieten!

Ich schaue mir danach noch mal den Sicherungsplan an und entdecke an einer anderen Stelle noch eine Sicherung, die mit Simarine beschriftet ist. Voller Hoffnung tausche ich auch diese und mich strahlt wieder ein vollkommen funktionsfähiges Display an, das nicht mal seine Einstellungen verloren hat. Ich sage den Beratungstermin beim Service wieder ab, krimpe die Kabel am Tank richtig und erfreue mich fortan wieder einer funktionierenden Anzeige, auch für den Schwarzwassertank.

Die Erfolgswelle reitend, schaue ich mir dann auch noch den Anschluss der Süßwasserpumpe an. Ich habe seit Skiathos eine Ersatzpumpe dabei, die auf Stand-by ist, falls diese hier wieder ausfallen sollte. Aber die läuft und läuft, obwohl das Relais beim Abschalten viel zu häufig schaltet. Das zwischen gebaute Arbeitsrelais scheint hier in der Tat hervorragende Dienste zu leisten. Ich hatte das Problem mal in Kanarensegeln V – Viel Wind von Teneriffa nach La Gomera und die Lösung hauptsächlich in Gran Canaria – das Match der Wettermodelle beschrieben.

Der Anschluss rechts leckt aber und ich erinnere mich dunkel bereits bei der letzten Installation große Probleme gehabt zu haben, das Wasserdicht zu bekommen. Erst versuche ich es mit Silikon zur Abdichtung, was überhaupt keinen Erfolgt bringt. Einmal ab- und wieder angeschraubt, spritzt das Wasser jetzt bei Druck nur so aus dem Anschluss. Es fällt eine alte Gummidichtung heraus, die ich beim letzten Abdichtversuch verwendet hatte.

Ich bekomme es nicht dicht und wenn ich es nicht dicht bekomme, haben wir kein Wasser auf dem Boot. Heute bin ich wirklich in einem Wechselbad der Gefühle. Ich überlege bereits, alleine aus dem Grund die ganz Pumpe auszutauschen und lese mir die Installationsanleitung dazu durch. In dieser steht geschrieben, dass der Anschluss ohne weitere Mittel abdichtet und das auch tun soll. Daraufhin räubere ich mir von der neuen Pumpe den Anschluss, mit dem der Schlauch auf die Pumpe geschraubt wird, ziehe das Ganze so fest, wie ich mich traue, es hält!

An diesem Abend bin ich gleichzeitig körperlich und mental erschöpft, erleichtert sowie stolz. Ich träume mir Regen herbei, um die neue Dichtigkeit der Dachluke bei wohligem Trommeln der Regentropfen auf dem Deck zu genießen und schaue immer wieder auf den Simarine Monitor und kann mich kaum an der dortigen akkuraten Anzeige des Schwarzwassertanks satt sehen. Was man an der Côte d’Azur eben so macht.

Es wird Freitag und im Tracking ist keine Übergabe meiner so dringenden Außenborder-Platine an UPS seitens Maritimo zu sehen. Ich frage nach und bekomme schriftlich, dass das Teil das Lager heute aber wirklich verlassen hätte und dem folgend am Samstag da sein müsste. Am Samstag ist immer noch keine Übergabe an UPS erfolgt. Ich frage, warum der Mitarbeiter mir zweimal sagt, dass das Paket unterwegs sei, während im Tracking noch keine Übergabestatus zu sehen ist und bekomme sogar am Samstag Antwort. Leider fällt diese überraschend patzig aus. Der Mitarbeiter schreibt, er hätte sein Bestes gegeben und wäre im Preis fair gewesen und das könnte nur bei UPS passiert sein. Er wolle am Dienstag im Lager nachfragen. Ich bin überrascht, dass nicht klar ist, dass faire Preisgestaltung und Kümmern am Ende für mich nichts wert sind, wenn die Ware nicht auf den Weg gebracht wird. Wir müssen eine Entscheidung treffen. Bleibe ich hier und warte, bis die sich sortiert haben oder fahre ich weiter. Filip und ich entscheide mich für letzteres und ich frage zurück, ob sie entweder an Bormes-Les-Mimosas, unseren nächsten Stopp liefern oder mir das Geld zurückgeben können. Es wird mich seitens dieser Firma ab hier keine Nachricht mehr erreichen. Dies ahnend und sämtliches Vertrauen verlierend, bestelle ich erneut per Express bei der Deutschen Firma nach Bormes-Les-Mimosas, und warte auf Antwort, die frühestens am Dienstag kommen kann.

Am 19.05. fahren wir noch einmal nach St. Tropez. Filip will noch in eine Galerie, die das letzte Mal geschlossen hatte. Am kommenden Morgen geht aber auch unser nächstes Wetterfenster auf und wir haben die Marina nur bis heute gebucht. Wir verlassen also mit dem Clipper den Hafen Richtung St. Tropez. Vielleicht hat man ja einen günstigeren Liegeplatz nur für ein paar Stunden. Andernfalls ankern wir um die Ecke und fahren mit dem Clipperchen rein.

Ich rufe dort telefonisch an und möchte mich nach der Möglichkeit und Kosten eines Tagesplatzes erkundigen. Zu den Kosten komme ich gar nicht. Die Dame sagt mir, nachdem sie erfährt, dass wir schon fast vor dem Hafen sind, wir sollen den Marinero über Funk rufen.

Etwas unwohl tue ich das, denn ich will mit dem nicht in aller Funköffentlichkeit über Preise für einen Tagesliegeplatz diskutieren. Auch dazu komme ich nicht. Ich werde vielmehr professionell, hilfsbereit und freundlich empfangen und in den Hafen geleitet. Wir müssen warten, um den reichlich vorhandenen Verkehr kreuzen zu können, der in den Hafen kommt und aus dem Hafen geht, um schließlich an der Hafenmauer festzumachen. Ich erkunde mich schicksalsergeben, wo ich mich registrieren könne und erfahre zu unserer großen Freude, dass wenn wir bis 16:30 Uhr wieder fahren, der Platz kostenfrei ist. Genial! Das kostet sonst für unser Boot aktuell 87 EUR die Nacht.

Wir genießen den letzten Nachmittag in der Stadt, besuchen die Galerie und schlendern entspannt am frühen Nachmittag wieder zurück. Die Fahrt ist kurz und 30 Minuten später liegen wir um die Ecke in einer sehr angenehm ruhigen Bucht. Die letzten Tagesbesucher lichten bald ihren Anker und verlassen den Platz, als dass wir sind bald mit nur wenig anderen Booten hier zu Gast sind, als die Natur mal wieder einen spektakulären Sonnenuntergang gibt. Dies und die funktionierende Füllstandsanzeige eines Schwarzwassertanks, Herz, was willst du mehr an der Côte d’Azur.

4 Gedanke zu “Von Antibes nach St.Tropez – Wartung und Reparatur entlang der Côte d’Azur”
  1. Danke für die tollen Segelberichte. Sehr kurzweilig und schön beschrieben. Ich bin seid einem Jahr auch Eigner einer Sirius 35DS und vielleicht steht auch mal eine Reise ins Mittelmeer an. Euch noch eine schöne Reise. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht 🙂

    Martin

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