Von Franeker (NL) nach Amsterdam (NL)

Morgens zu Sonnenaufgang ging es weiter

Der Wecker klingelte, ich stand auf, verzichtete auf Förmlichkeiten wie Duschen, es sollte sofort weitergehen. Dieser Tag sollte reiner Transit werden. Schnell der Wetterbericht, jaja, das Hoch bringt zwar schönes Wetter, aber Wind wird es keinen mehr geben…

Dann kam es mir auch. Ach ja, Geburtstag haste ja heute auch noch. Eigentlich egal. Dem Rat meiner Schwester folgend, hatte ich mich mit Filip darauf geeinigt, dass was uns betraf, mein Geburtstag dieses Jahr am 11.09. stattfinden sollte.

Also los, Ablegen, rechts um die Ecke, die erste Brücke war auch schon wach. Es ist ein cooles Gefühl, dass die Dinger den Verkehr anhalten und nur für einen öffnen.

Das tun sie meistens unentgeltlich. Nur gestern hatte ich 2-3 Brücken, mit Brückengeld. Es wird ein Holzschuh an einer Angel zum Boot hinunter gehalten und da stopft man das rein, was angeschlagen stand, was es kostet. Einmal war das ganz schön knifflig, durch die enge Brücke durch, dann das Ruder alleine lassen und mit dem Holzschuh hantieren. Für Einhandfahrer sicher machbar, aber es kam mir schon der Gedanke, ob ich nicht vielleicht noch einen Handstand mit Liedchen, als Dank für die Brückenöffnung, zusätzlich darbieten sollte. Na ja, war bei dem Gedanken vielleicht doch etwas im Stress. Im Grund ein sehr netter Brauch.

Die letzten Häuser in Franeker, am frühen Morgen. Ist sicherlich sozialer Wohnungsbau, der hier so gehandhabt wird.
Nett….

Heute wollte keiner mehr Brückengeld. Der Kanal hinter Franeker wurde breiter, man durfte schneller fahren und das Ganze machte einen immer industrieller werdenden Eindruck.

Morgendliche Kanalstimmung.

Es war gar nicht mehr so weit und ging nur noch nach Harling, dem Ausgang aus dem Kanalsystem. Ich hätte gerne noch auf dem Weg getankt, kam auch an einer SB Tankstelle vorbei und wollte auch hin, aber erneut saß ich auf halbem Weg dorthin im Schlick. Wenn die mich und meinesgleichen auch als Kunden wollen, müssten sie baggern. So wurde das also nichts und ich fuhr weiter. Diese Schlickrutscherei wurde langsam zur ungeliebten Gewohnheit.

Zu flach, hier kam ich nicht ran
Meine, ans Fenster geklebte Brücken- und Schleusen-Liste, war nahezu abgearbeitet
Die letzte Schleuse, die letzte Brücke, dann habe ich es geschafft
Die Schleusentore öffnen sich, ich wollte fast schon los, bis ich bemerke, dass da ja noch die Brücke weg muss
Eine Begrüßung mit Fanfaren. Ich komme aus der letzten Schleuse und werde so empfangen. Genial
Nur hinaus, ich brauche mal wieder etwas Platz

Ich fahre also aus dem Hafen von Harlingen und….. verfahre mich erst mal, zwischen dem unübersichtlichen Gewirr von Tonnen und Fahrwassern, während ich ein Geburtstagstelefonat führe. Hm, muss mich wohl erst wieder von Kanal auf offenes Wasser umstellen.

So ging es nun ein kurzes Stück zu den großen Lorentzsluizen, wo schon ein schweizer Katamaran vor mir wartete. Die zu öffnende Brücke war kombiniert mit der Schleuse dahinter. Das bedeutet, dass es ganz schön lange dauerte, bis erst mal der Gegenverkehr geschleust war. Dann ging die Brücke auf, der Gegenverkehr kam raus, der Berufsverkehr wurde einzeln zum Einfahren aufgefordert, der Schweizer zurecht geschissen, dass er noch nicht dran sei. Dann ging die Ampel auf Grün und wir durften auch rein. Ich will ja keine Ressentiments schüren, aber erst meint er, er darf rein, nur weil die anderen bei roter Ampel rein dürfen und dann legt mein vorausfahrender Eidgenosse eine Geschwindigkeit beim Einfahren an den Tag, die mit „gewissenhaft vorsichtig“ noch sehr wohlwollend beschrieben ist. Na ja…. Ich mag Schweizer tatsächlich, liebe den Dialekt und die Art, nur in dem Moment nicht.

In der Schleuse stellte ich fest, dass die Anzeige vom Tank von irgendwas mit 30% mal schlank auf 0 % gesprungen war. Vermutlich konnte die Schaukelei vorher der Messsonde immer wieder mal etwas Diesel anbieten, aber nachdem mehr Ruhe im Schiff war, war das wohl nicht mehr so und die Sonde zeigt „Ist alle“. Ich wusste, dass 0% nicht bedeutet, dass ich sofort liegen bleibe. Da sind noch reichlich Reste vorhanden, um einen noch ein paar Stunden weiterzubringen.

Wie viele Stunden das waren, wollte ich hier und heute ganz sicher nicht feststellen und lief direkt nach dem Schleusen den nächsten Hafen mit Tankstelle an. Das war Makkumer.

Ich fand die Tankstelle rasch, an der bereits zwei Yachten vor mir lagen. Ich legte mich daneben, etwas abseits, der Eigner der Nachbaryacht half von Land beim Anlegen.

Ich warte nun, bis ich an der Reihe war, die anderen legten fast gleichzeitig ab und ich musste mich an deren Platz verholen. Das tat ich dann auch, während der junge niederländische Tankwart ein bisschen in den Himmel guckte und damit völlig ausgelastet war. Das Verholen an die Zapfsäule ging ganz gut auch ohne Hilfe, aber es wäre einfach nur höflich gewesen, mit anzupacken. So interpretierte ich diese Geste dann auch so, wie sie vermutlich gemeint war und musste sehr sehr aufpassen, ihm dazu nicht einen flotten Spruch zu drücken, um etwas Dampf abzulassen.

Anstehen an der Tankstelle

Er wollte wissen, wie viel ich tanken wolle. Sie hätten ein Limit von 70 Liter. Soso. Also ich brauche dann 70 Liter.

Das war eine SB Säule, ich machte eh alles alleine. Karte einstecken, Säule auswählen. Der Tankwart ließ sich dann noch soweit herab, mir den Schlauch anzureichen.

Ich ließ laufen und schaute, wie der Tank sich füllte.

Ein Düsenjäger kam und machte Krach. Ich fragte, wie viel Liter ich schon hätte. Er antwortete, ich verstand die Antwort leider nicht, musste noch mal nachfragen. Es war wohl schon etwas über dem Limit. Ich dachte etwas darüber nach, was ich nun machen sollte. Vielleicht sollte ich dann aufhören zu tanken, wenn ich schon über dem Limit bin? Vielleicht frage ich besser mal, was ich machen soll.

„Should I then stop now?“

Ich hörte den Diesel schon im Rohr hoch steigen und war wieder voll.

„Yes, stop“

„Ah, ok. I stop“

Es waren dann doch deutlich über 100 Liter geworden (aber damit waren dann tatsächlich noch 45 Liter im Tank gewesen, bei 0 Liter in der Anzeige). Das war dann leider zu viel, dumme Sache, das mit dem Krach von dem Düsenjäger. Der Diesel läuft aber schnell bei euch. Lach. Jaja.

Wir wussten, was wir voneinander hielten, das war auch ok, den ich sah zu, dass ich weiter kam und er verschwand auch irgendwohin.

Ich überlegte, ob ich die Strecke irgendwie segelnd hinter mich bringen könnte, wollte zumindest alles versuchen und holte das Code Zero aus der Backskiste heraus und zog es hoch. Das funktionierte auch 10 Minuten, war gut für 1-2 Knoten, bis es dann in sich zusammen fiel.

Code Zero, ich gebe alles

Es hatte keinen Wert. Heute und morgen war es nahezu windstill. Auch wenn ich das akzeptieren und bis zum Sonnenuntergang mit 0 bis 1 Knoten gen Süden treiben würde, die Nacht ankern, wo ich liegen bleibe und morgen genauso weiter mache, würde ich es nicht bis Amsterdam schaffen.

Also nahm ich schulterzuckend den Motor. Mal sehen, was die machen, wenn ich dann zum 50h Check komme. Wir werden sehen.

Was dann kam, war wie eine Plage. Auf das ganze Boot legten sich tausende von kleinen Fliegen. Es war ekelhaft. Da, wo ich gerade stand oder ging, zerdrückte ich unweigerlich ein paar, da sie einfach überall waren. Das hinterließ dann entsprechende grüne Flecken. Ich versuchte von drinnen zu fahren und alles geschlossen zu halten, aber das war auch nicht die Lösung. Irgendwann beschloss ich dann, die Dinger, soweit sie mir nicht im Gesicht oder im Nacken rumkrabbelten zu ignorieren. Weiter hoffte ich, dass die sich auch irgendwann von selbst wieder vom Acker machen. Das taten sie nur bedingt.

Es war ansonsten ein ereignisloses Dahinziehen, nur einmal unterbrochen durch die Schleuse mit Brücke an der Grenze von Ijsselmeer zu Markermeer.

Die Zufahrt zum Hafen von Amsterdam.
Kurzes Warten und Plausch mit dem vorausfahrenden Pärchen
Stimmungsvoller Empfang im Hafen von Amsterdam
In Amsterdam ist man noch sehr traditionell verwurzelt. Hier lassen nur die Damen ihre Schiffe reparieren. Die Herren lassen woanders Schrauben

Und dann war es endlich so weit. Ich hatte mein großes Ziel erreicht und war pünktlich in Amsterdam angekommen.

Wow!

Eine lange Reise, deutlich komplexer, als ich anfänglich dachte. Das Niveau veränderte sich laufend, wurde immer fordernder. Amsterdam ist auch nur ein Zwischenziel. Ab hier geht es jetzt aber wieder zu zweit weiter, wie es auch geplant war. Filip kommt heute Abend mit dem Zug und wir feiern erst mal Geburtstag.

Wir haben jetzt ein paar Tage zum Verschnaufen, ich kann den Segelschein in Hamburg endlich fertig machen. Wir werden in Ruhe den Blick auf die weitere Törnplanung werfen und schauen, wie wir ab hier weiter machen.

Ich freue mich darauf, erst mal ein bisschen Ruhe zu bekommen, aber auch schon darauf, dass es in etwa einer Woche wieder losgeht.

Angekommen im Sixhaven inAmsterdam, der kleinen berühmten Marina direkt gegenüber vom Central Bahnhof.

2 Gedanken zu “Von Franeker (NL) nach Amsterdam (NL)

  1. Pingback: Gran Canaria – das Match der Wettermodelle | SY Clipper Blog

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