Cascais (PT) & Lissabon (PT)

14.11. – 22.11.2020

Am kommenden Morgen sagen wir Diana und Markus auf der Miss Sophie Guten Tag und melden uns beim Hafen an. Wir müssen noch einmal umparken, was schnell gemacht ist. Cascais ist der erste Ort auf dem Weg nach Lissabon, den Fluss Tajo rauf.

Wir bleiben bis Dienstag, den 17.11.2020, erkunden ein wenig den Ort und nehmen uns wieder ein Auto um einen Tag lang das nahe gelegene Sintra zu erkunden. Das ist eines der Must-See Orte in Portugal und das zurecht!

Am Abend schauen wir noch am Capo da Roca vorbei und stehen nun auf der Landseite des westlichsten Punktes Europas. Wir können heute mit Sicherheit sagen, dass wir die letzten in Europa sind, die die Sonne an diesem Tag sehen.

Capo da Roca

Außerdem nehmen wir den Mast und das gebrochene Code Zero Fall in Augenschein. Das bedeutet, dass ich und Filip das erste Mal in den Mast und nach oben müssen. Da wir keine begehbaren Wanten haben, so wie das auf Windjammern der Fall ist, ziehen wir uns mittels der Elektrowinsch in einem sogenannten Bootsmannstuhl nach oben. Ich will da unbedingt rauf, muss aber kurz vor der Spitze aufgeben. Ich probiere es dann mal später wieder, bis ich es kann. Markus, dem ich vorher bei sich an Bord nach oben geholfen hatte, kommt auch vorbei und hilft bei uns, das schafft Sicherheit.

Fast oben….
…den Rest muss aber Filip machen

Am Dienstag, 17.11. fahren wir dann zusammen mit Miss Sophie nach Lissabon rein. Während Diana & Markus sich mit Miss Sophie am frühen Vormittag auf den Weg machen, suchen und finden wir noch eine Frühstücksgelegenheit und brechen erst um 14 Uhr auf. Wir machen auf dem Weg direkt noch mal Halt in der Marina de Oeiras. Filip geht in dem nahe gelegen Strand Surfen und ich arbeite am Boot, fülle Wasser auf, putze Boot und Scheiben, kaufe endlich den richtigen Schäkel für die Selbstwendefock und löse damit das letzte Provisorium dort ab, ich mache einen Maschinencheck und spüle das Code Zero ab, das ja im Salzwasser lag, und hänge es zum trockenen auf. Das passiert alles in T-Shirt und kurzer Hose, es ist einfach ein herrlicher, warmer Nachmittag. Danach gönne ich mir dann auch mal einen Kaffe und warte auf Filip, der mit Sonnenuntergang wieder an Bord kommt.

Segel im Trockner

Lissabon

Nun geht es am frühen Abend, bei Mondschein und erneut unter Zuhilfenahme modernster Technik den Fluss rauf Richtung LISSABON!

Ich werde euphorisch und sentimental, als die Wahrzeichen am Fluss in Sicht kommen, die ich noch so gut aus meinen beiden Liegezeiten hier mit Zerstörer Rommel in Erinnerung habe. Ich schieße Fotos und teile sie noch im Fahren mit Freunden und alten Kameraden.

Die große Hängebrücke „Ponte 25 de Abril“ (25. April war der Tag der Nelkenrevolution, ein linksgerichteter Militärputsch gegen die autoritäre Diktatur des Estado Novo)

Zur Feier des Tages gibt es heute kein Einlaufbier, sondern einen Einlaufschnaps aus dem diesjährigen Geburtstagsgeschenk von Paddy und Michael!

Lissabon ist für wahrscheinlich die meisten, die zur Marinezeit vor 25 Jahren mit dabei waren, ein absoluter Höhepunkt und man denkt mit Wehmut an diesen Hafen zurück. Wir waren dort unter anderem mit dem NATO-Verband STANAVFORLANT, dem ständigen Einsatzverband Atlantik. Das hatte zur Folge, dass weit über 1.000 Marinesoldaten von den Schiffen der beteiligten Bündnisländer in der Stadt unterwegs waren, die wiederum es gut verstand, den Seefahren der Welt Angebote zu machen. Das führte dann in den einschlägigen Ecken der Stadt zu recht bunten Abenden, um es sehr, aber wirklich sehr vorsichtig auszudrücken.

So war vor allem die Texas Bar, weltweit bekannt und über Jahrzehnte eine Institution von Kneipe und, so war es nun mal, eine Institution von Seemanspuff. Auch Kapitän Schwandt hatte hier seine Freundin und berichtet hier von einer dreitägigen Party, zu der angeblich selbst die alten Römer aus dem Jenseits begeistert Beifall geklatscht hätten.

Ich habe mich da nicht lange aufgehalten, der Laden war zu der Zeit schon mächtig heruntergekommen. Aber was man brauchte, war ein Souvenir, das man an einem kleinen Fenster im hinteren Teil des Ladens kaufen konnte: Einen Sombrero! Viele hatten schon einen, ich wollte auch einen. Dazu musste man aber an der langen Theke vorbei, vor der Barhocker montiert waren. Auf den Barhockern saßen wohlgenährte Damen, die allesamt bereits so weit gereift waren, dass Sie mit Sicherheit Kapitän Schwandt noch persönlich aus seinen besten Tagen kannten. Diese Damen saßen also nun da und warteten auf ihre Opfer, denen Sie im Vorbeigehen ihre fragwürdige Dienstleistung anbieten konnten, was sie in aller Deutlichkeit auch taten, nicht ohne von Handgreiflichkeiten abzusehen, um ihre Offerte zusätzlich zu unterstreichen. Man konnte sich davon nicht wirklich fernhalten, da auf der anderen Seite die Tanzfläche war. Wenn man es also im Spießrutenlauf zwischen Tanzfläche und den Damen bis nach hinten geschafft hatte, konnte man besagten Sombrero erwerben, der dann wirklich eine Auszeichnung für Mut und Tapferkeit darstellte.

Die traurigen Reste der Texas Bar. Einst eine Institution unter Seefahrern.

Lissabon bestand aber nicht nur aus diesen Nächten, sondern auch aus Strandurlaub in Estoril oder abendlichen Gambas Essen in großer Runde, wo wir es fertigbrachten, das kleine Lokal leer zu futtern, sodass der Wirt in der Nachbarschaft Nachschub holen musste. Alle 30 Minuten fiel der Strom aus, in der Ecke sitzt ein alter Mann und schaut Fernsehen. Unglaublich urige Erinnerungen.

Am Samstag kommt Marco an Bord zu Besuch, einen Freund aus Deutschland, der mittlerweile hier lebt und der sich geduldig ansieht, wie wir nun, wieder mit Unterstützung von Markus vom Nachbarboot, über ca. 3 Stunden versuchen, das gerissene Fall des Code Zero in den Mast zu fädeln. Wir schaffen es schließlich mit einer Anglerschnur als Vorläufer, die wir über ein anderes Fall durch den Mast ziehen, über das wir dann wiederum das eigentliche Fall durchgezogen bekommen. Hört sich übersichtlich an, aber wie gesagt: ca. 3 Stunden, von denen Filip die meiste Zeit im Mast verbrachte.

Wir schauen uns ein wenig Lissabon an, aber wirklich Zeit haben wir nicht, bzw nehmen wir uns nicht. Am Wochenende ist Halbtags Ausgangssperre und wir können wenig machen. Mit Marco versuchen wir zumindest den Sonnenuntergang vom Fluss aus zu verfolgen, werden aber von der Polizei sofort wieder in den Hafen geschickt.

So verlassen wir am 23.11. Lissabon, ohne es wirklich gesehen zu haben. Wir wollen wieder kommen, wenn wir mehr Zeit haben. Die Windvorhersagen sind so, dass wenn wir jetzt nicht fahren, wir es danach unter Umständen die ganze Woche nicht mehr hinbekommen. Wir müssen diese Reise aber zu einem Ende bringen, da wir am ersten Dezemberwochenende zurück nach Hause wollen. Da müssen wir dann beide in Quarantäne und so weiter. Auch haben wir genug von Besichtigungen und Touristenreisen. Wir wollen jetzt ankommen und herunterkommen. Also segeln erneut und ein letztes Mal dieses Jahr über Nacht Richtung Süden, in das Land der Verheißung. Algarve, wir kommen!!!

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