Kanarensegeln I (Lanzarote, Fuerteventura)

Montag morgen 7 Uhr klingelt der Wecker in Arrecife auf Lanzarote, als wäre nichts gewesen. Ich starte meine Morgenroutine, die mit dem üblichen Abteilungsmeeting um 8 Uhr (9 Uhr Deutsche Zeit) ihren vorläufigen Höhepunkt findet und arbeite den restlichen Tag im Boatoffice.

Dabei weht der Wind stark und böig durch die Marina und lässt die Takelage der versammelten Segelyachten gemeinsam singen, wie ich es so beständig bislang noch nicht erlebt habe. Ich sollte mich noch halbwegs daran gewöhnen müssen, denn dieser stark böige Wind bleibt mir erst mal erhalten, in Arrecife zusätzlich mit dem durchdringend brüllenden Gekläffe, der furchteinflößenden Wachhundbestie auf der benachbarten Yacht.

Die Bestie von nebenan verteidigt zähnefletschend ihr Territorium

Was mir auffällt, sind die hier liegenden Boote. Die Modellvielfalt erhöht sich und man sieht manch ein beeindruckendes Stück Schiff, wie man es weiter nördlich sonst eher weniger zu sehen bekommt. So zum Beispiel diesen Panzer von einer Aluminiumyacht, mit der man sicherlich auch gut durch die Nordwestpassage oder an Kap Horn vorbei rund der Antarktis segeln kann. Ich finde das klasse zu sehen, auch wenn es nichts für mich ist.

Abends möchte ich die Vorzüge der wiedergewonnenen Zivilisation genießen und schlendere aus dem weitläufigen Hafen in die schön angelegte Altstadtstadt, wo ich sich Restaurant an Restaurant mit Blick auf einen kleinen Fischereihafen reiht. Ich finde eines, das nicht nur offen, sondern auch frischen Fisch hat und genieße hier den Abend. Am Ende des Dinners wird die Frage nach Postre oder Kaffee gestellt. Mir fällt im letzten Moment ein, wo ich mich ja jetzt befinde, bestelle einen Cortado Natural und der kommt anstandslos, so wie ich das seit vielen Jahren von Teneriffa im Urlaub gewohnt bin und zelebriere. So fühle ich nun eine angenehme Vertrautheit durch das Zurückkehren in die Nähe eines bekannten Urlaubsortes, die durch den Umstand noch einmal deutlich verstärkt wird, dass Heimkommen an diesem Abend nicht das Zurückkehren in ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung bedeutet, sondern die eigenen bekannten und geschätzten vier schwimmenden Wände.

Uferpromenade in Arrecife

Auch die Vorbereitung für die Paartherapie mit meinem Code Zero laufen. Ich kann beim örtlichen Segelmacher zwei Flicken zum Aufkleben erstehen, die es erst mal richten sollen. Gegebenenfalls muss später noch mal genäht werden. Jetzt warte ich erst mal auf einen eher windstillen Tag und etwas Muße, um zur Tat zu schreiten.

Die Flicken für das beschädigte Code Zero

Bereits am Mittwoch den 5. Mai geht es weiter in den Süden der Insel. Viel von der Stadt, geschweige der Insel habe ich gar nicht gesehen, ich habe die meiste Zeit im Boatoffice gearbeitet und den Rest irgendwie vertrödelt. Am Sonntag Abend werde ich bereits Filip am Flughafen von Fuerteventura abholen und möchte bis dahin noch mindestens eine weitere Marina, auf dem für Segler recht gut erschlossenen Lanzarote erleben.

So geht es am Vormittag weiter. Der besagte Wind steht mir nun mit vollen 6 Windstärken zunächst auf Vorwind-, dann sogar idealem Halbwindkurs zur Verfügung und es geht mit beeindruckender Geschwindigkeit von um die 7 Knoten im Schnitt (!) 3 Stunden Richtung Süden. Ein absolut berauschender kürzerer Segelnachmittag, den ich aus vollen Zügen genieße!

Ich bereite vor der Einfahrt zur Marina Rubicón in aller Ruhe das Boot zum Anlegen vor. Es wird einen gut erreichbaren Rezeptionssteg geben. Ich bereite die Backbordseite vor und lege für beide Seiten die Fender auf das Seitendeck, bis ich in den Vorhafen komme, wo man sie dann nur noch unter der Reling durchkicken muss, damit sie an der Seite hängen.

So erreiche ich den Hafen, der Wind ist deutlich vorhanden aber für den Anleger nicht bedrohlich, auch wenn er Einhand gefahren wird, da genug Platz ist. Zufrieden über den tollen Segeltag, in Vorfreude auf die interessante Marina fahre ich einen schönen beherzten Bogen an den Steg, erreiche diesen satt, stehe zwar nicht sofort, aber habe das Boot im Prinzip toll an den Steg gesetzt, um im nächsten Schritt in aller Ruhe die Leinen festzumachen, womit ich auch sofort, aber ruhig und unaufgeregt beginne. Irgendetwas ist trotzdem ungewohnt anders. Erst ein Gefühl, das sich nach nur sehr kurzer Zeit aufklärt.

Die Fender liegen noch auf dem Seitendeck!

Ich habe mir bei der Aktion ein paar schöne kleine Schrammen in das Gelcode gefahren. Mir ist das in Holland schon mal passiert, wo es aber unbedeutend blieb, da der Steg vor der Schleuse gut mit Gummiwulsten gesichert war. Nicht so hier und ich ärgere mich noch eine ganze Zeit darüber, um es freundlich auszudrücken. Keine Entschuldigungen, keine widrigen Umstände. Einfach eigene Schusseligkeit (auch ein sehr freundliches Wort, für das, was mir hier noch als Vokabel zur Auswahl einfallen würde).

Die Schäden des ansonsten gelungenen Anlegers sind ganz gut zu sehen. Die Fender sind jetzt unten.

Ich melde mich an, bekomme einen Liegeplatz und Hilfe des Marinero beim Anlegen, wie es hier üblich ist. Auch hier pfeift der Wind durch die Takelagen, aber es wird sonniger und ich erkunde erst mal die Umgebung.

Sicherheit wird hier nicht nur groß geschrieben, sondern auch durchgesetzt. Hier kommt keine vorbei, der nicht darf.

Die Marina Rubicón ist bekannt und unter Seglern, wie wahrscheinlich auch den landseitigen Touristen, beliebt. Es ist auch schön hier, allerdings ist alles nur zu einem einzigen Zweck dahin gebaut worden: Es soll Touristen gefallen. Es ist ein touristisches Disneyland und braucht somit das, wofür es da ist: Touristen. Sind die nicht da, ist es eine Geisterstadt und in den ersten Stunden fühle ich mich ein wenig, wie der Überlebende nach einer Zombiekatastrophe.

Besonders leid tut es mir um die ONE Bar, die ebenfalls geschlossen ist und somit als Seglertreff, mit Ruf und Atmosphäre ausfällt.

Tatsächlich haben aber ein paar wenige Restaurants dann doch offen und ich komme auf jeden Fall auf meine Kosten. Dafür bin ich hergekommen und der Abend nimmt ein versöhnlich entspanntes Ende.

Im Nachbarort Playa Blanca kaufe ich mir eine neue Prepaid SIM Karte für das Bordnetz. Ich habe eine Telekom-Karte, die in Deutschland für stolze ~90 EUR / Monat echtes unlimitiertes 4G Internet bereitstellt. Im Ausland funktioniert die immer noch, obwohl sie das laut ihrer eigenen Produktbeschreibung gar nicht dürfte, kostet aber für die Aktivierung eines Tagespasses auch knapp 6 EUR und ist mein Notnagel, wenn ich sonst nichts anderes habe. Das ist natürlich wahnsinnig teuer. So laufe ich nach Playa Blanca, wo es zumindest einen offenen Orange Laden gibt. In Portugal kauft man eine Prepaidkarte, indem man in einen Laden geht, sagt was man will, die unlimitierte prepaid Karte mit 30 EUR bezahlt, sie bekommt und geht. Eine Angelegenheit von etwa 3 Minuten. In Spanien muss die Karte per Gesetz personalisiert werden. Das geht nur mit Ausweis. Warum der Prozess aber jedes Mal (einmal bei Orange hier und einmal bei Vodafone später) jeweils 20-30 Minuten Tipperei und Klickerei auf einem Computer in Anspruch nimmt, ist mir ein ungelöstes Rätsel.

Playa Blanca ist auch touristisch, aber da dort auch Menschen leben und nicht nur Urlaub machen, gib es Leben. Ich arbeite die Tage im BoatOffice und erkunde die Gegend zu Fuß, ein Leihwagen nehme ich mir wieder nicht.

Die Planung für die Abholung von Filip läuft noch. Auf Fuerteventura gibt es nicht viele Marinas. Zum einen ist da, ganz ideal, Arrecife im Norden. Ein sehr kleiner Hafen, mit toller kleiner Stadt dabei, einer Cicar Autovermietung direkt im Hafen, der den ersten Wunsch auf Reservierung eines Platzes bereits abgelehnt hatte. Die zweite Option ist Gran Tarajal im Süden der Insel. Dieser Hafen hat zwar eine deutlich bessere Verfügbarkeit, ist aber weit ab vom Schuss und die nächste Autovermietung ist eine Stunde Fußmarsch entfernt in Las Playitas.

Zum Glück schaue ich noch mal genauer in der Mail mit der Ablehnung aus Arrecife. Dort steht, dass man nur für maximal 2 Tage anfragen darf. Der Hafen ist klein und in der Saison, soll er nicht von wenigen Dauergästen belegt sein. Ich beantrage noch mal, dieses Mal statt von Samstag bis Donnerstag, nur von Sonntag bis Dienstag. Dies wird zu meiner großen Erleichterung genehmigt. Es gibt auch noch die Option, wenn man schon mal da ist, weitere zwei Tage vor Ort zu verlängern, wenn das Wetter schlecht ist.

Ich bin zufrieden. Und Ja – ich muss meine fortschreitende Verwahrlosung im Gesicht mal wieder in den Griff bekommen.

Somit mache ich mich am Muttertag auf den kurzen Weg von Lanzarote nach Fuerteventura. Das Wetter ist herrlich, der Wind perfekt, ich habe mal richtig Zeit und mache ein paar Mann über Bord Manöver, indem ich einen Fender ins Wasser schmeiße und versuche entweder nur unter Segel oder unter Segel und Motor wieder an die Stelle zurückzukommen. Das heißt jetzt korrekt seit einigen Jahren übrigens “Mensch über Bord”, da man herausgefunden hat, dass es für andere Menschen als Männer gar kein eigenes Manöver, also zum Beispiel ein Frau-über-Bord -Manöver gibt und es dann sowieso sehr ähnlich, wenn nicht gar identisch, zu dem bereits für Männer praktizierten Manöver wäre. Darüber hinaus ist man wohl auch zu dem Schluss gekommen, dass man aus humanitären Überlegungen heraus auch Menschen retten sollte, die nicht Männer sind, auch wenn es für diese kein eigen bezeichnetes Manöver gibt. Somit ist die Begrifflichkeit geändert und generalisiert worden, damit es nicht zu sonst vermutlich leicht möglichen Missverständnissen jedweder Art, ggf unter Freizeitkapitänen, kommt.

Auf dem Clipper ist das alles nicht ganz so relevant, da das Überbordgehen hier sowieso nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Skippers erlaubt und ansonsten strikt verboten ist. Eine Genehmigung ist sehr selten, da sie nur beim völligen Stillstand des Bootes, friedlichem Wetter und auch dann nur manchmal erteilt wird, wenn der schwimmende Mensch auf jeden Fall aus eigener Kraft zum Boot zurückkommen kann, so dass der Skipper keine unnötige Arbeit damit hat, lästiger Weise zum einsammeln eines Menschen an einen Ort zurückkehren zu müssen, an dem er gerade ja schon gewesen ist. Durchgesetzt wird das Verbot zum Überbordendgehen übrigens durch situationsbedingtes Anleinen, womit Crew und Passagiere nur sehr knapp über dem Niveau von ehemals mit dem Schiff durch Ketten fest verbundenen Galeerensklaven rangieren. Tradition wird hier eben groß geschrieben.

Auf nach Fuerteventura

Ich komme auf Fuerte an, suche mir eine schöne Stelle am Steg, denn mit einer Reaktion auf meine Rufe an den Hafen auf UKW Funk anhatte ich nicht wirklich gerechnet. Später gesellt sich noch ein alter sympathischer Franzose neben mich, der Selbstgedrehte raucht und sein Boot „Jointy“ genannt hat. Ich bin mir sicher, dass der Name Programm ist. Er hatte gar nicht erst reserviert, sondern kommt einfach und schaut, was passiert und wie lange er bleiben kann. Wir Deutschen mal wieder. Kaum bietet man uns einen Genehmigungsprozess an, und das auch noch online und per App, dann schnappen wir begeistert zu und übersehen Naheliegenderes.

Ich hole mir das Auto ab, fahre Abends zum Flughafen und begrüße Filip. Wir sind wieder zu zweit, freuen uns und feiern dreijähriges Kennenlernen und Wiedersehen in der Altstadt von Corralejo. Hier sind die Straßen voll, ein paar mehr Touristen da und irgendwie fühlt sich alles nach erster Entspannung an. Wir kommen am ersten kleinen Live Konzert vorbei, dass ich seit sehr langer Zeit erlebe. Fühlt sich aber noch komisch an, wir ziehen weiter.

Musik, gespielt von Menschen auf echten Instrumenten in der Nähe von anderen Menschen, die zuhören.

Am nächsten Tag melde ich mich bei der Marina an und habe den Eindruck, dass ein längeres Bleiben derzeit absolut kein Problem ist. Wir nutzen das Auto und erkunden ein wenig die Insel.

Die Dünen im Nationalpark von Corralejo
Abendessen in einem veganen Restaurant, das die meisten Zutaten im eignen Garten herstellt. Klasse !!!
Im Hafen von Corralejo

Nach zwei Tagen müssen wir umparken und den Clipper in eine ruhigere Box, weiter innen, in der Marina verholen. Der Wind wird noch stärker werden und man befürchtet, dass die Boote weiter draußen Schaden nehmen könnten.

Also legen wir ab und müssen bereits bei recht viel Wind irgendwie in die neue Box rein. Das geht insofern schief, als dass ich auch im dritten Anlauf immer noch nicht erkenne, dass ich mich gegen ein Vertreiben auf die gefährlichen Ecke des Stegs an Steuerbord nur dadurch sichern kann, indem ich mich am Nachbarboot an Backbord mittels einer Sorgeleine sichere. Es kommt, was kommen muss. Der Wind drückt mich auf die Pier und mit einem sehr häßlich, kratzenden Geräusch malt die Ecke der Pier ein V wie Vendetta in das Gelcode des Rumpfes. Wenn ich im letzten Hafen noch dachte, ich hätte Kratzer, produzieren ich jetzt Furchen. Furchtbar. Wir waren dann fest und ich ebenso überzeugt davon, mir gehöre eigentlich kein Boot überantwortet. Ich mache mich richtig runter und mir schwere Vorwürfe.

Beim nächsten Einkauf dann eine für mich bislang noch ungewöhnliche Kombination. Neben Tiefkühlpizza und Schokolade kommt Nagellack und Windeln auf das Band.

Mit dem Nagellack will ich die Kratzer provisorisch versiegeln, so dass das GFK kein Wasser zieht. Die Windeln werde ich bald brauchen, da der erste Treibstofffilter Wechsel ansteht und nichts besser als Arbeitsunterlage saugt.

An die Arbeit
Der Kratzer, bereits halb mit Nagellack versiegelt

Während ich am Boot hantiere, beginnt Filip mit seinem Steg-Sport-Programm.

Das hätte ich auch nötig und werde etwas in der Richtung machen müssen, denn bei dem hektisch, verunglückten Anleger hatte ich mir einen schönen Hexenschuss zugelegt, der zunächst ein größeres Fragezeichen hinter unseren Auslauftermin am Donnerstag zeichnete.

Es geht dann aber doch, mit ein paar speziellen Übungen auf genau jener Matte unter Filips Anleitung und Aufsicht, die glücklich zu beschleunigter Rekonvaleszenz führen. Wir können somit unsere Zelte in dem sympathischen Corralejo am Donnerstag, den 13.5. abbrechen und uns am Morgen weiter gegen Süden aufmachen.

Es folgt eine für mich erneut recht ansprechende Überfahrt bei moderaten 15-20 Knoten von Achtern mit 2-3 Metern Welle. Es ist ein tolles Gefühl, die Wellen hinunterzusurfen, die meiste Zeit nur mit dem Groß und Geschwindigkeiten von hervorragenden 6-7 Knoten. Juhuuuu.

Der Plan ist, über Nacht in der schönen Ankerbucht von Las Playitas zu verbringen und am nächsten Morgen weiter an die Südspitze von Fuerte, genauer nach Morro Jable zu Segeln, um am dritten Tag die Überfahrt nach Gran Canaria zu unternehmen. Daraus wird aber nichts. Filip tat sich schon immer mit der anfänglich ungewohnten Bewegung schwer, wenn es wieder aus dem Hafen ging, hatte seine Seebeine aber zwischenzeitlich zu Hause vollends verloren und zieht sich kurz nach Auslaufen in die Mittschiffskabine zurück, wo er elend und kaum ansprechbar für den Rest der Reise verbleibt. Das Boot rollt einfach unter den von Achtern anrollenden Wellen moderat, ohne das man dagegen sehr viel tun könnte.

Ich probierte nach Ankunft in der Bucht von Las Playitas den Anker und es wird schnell klar, dass selbst mit dem Schutz des Landes vor Wind und Wellen der Ort viel zu unruhig ist, um hier über Nacht bleiben zu können. Ich verheddere mir dabei noch das Großfall an Kamera und Flutstrahler, den vorderen Anbauten am Mast und bekomme das, vor den Klippen der Steilküste treibend, auch nicht mehr kurzfristig alleine klariert und somit das Großsegel nicht neu gesetzt. Somit kommt das erste Mal die Dirk als Ersatzgroßfall zum Einsatz und es stellt sich dabei obendrein heraus, dass der Schäkel eine Idee zu klein ist, um ihn am Kopf des Großsegels anschlagen zu können. Provisorisch geht es für den sehr kurzen Weg in den Hafen, aber da muss ich was dran machen.

Ich laufe nun etwas angestrengt um die Ecke nach Gran Tarajal, unserem Plan B, den wir uns zurecht gelegt hatten, falls das Ankern nicht klappt. Ich komme in das Hafenbecken, der Wind pfeift wie gehabt und kräftig, ich denke erst, dass ich es alleine hin bekomme, rufe dann aber doch Filip zur Sicherheit nach oben. Wir bereiten das Boot zum Anlegen im Hafenbecken vor und drehen dabei unsere Kreise. Ich fahre den ersten Anlauf und Wechsel noch mal die Strategie. Der Marinero empfiehlt mit Handzeichen, Rückwärts rein zu fahren. Das versuche ich, fühlt sich doof an, ich breche ab und wir machen es beim nächsten Anlauf vorwärts.

So ziemlich jeder der Anwesenden Segler findet sich zwischenzeitlich am Steg ein, um beim Anlegen in dem starken und böigen Wind zu helfen. Nach einer weiteren Ehrenrunde nehme ich dann den entscheidenen Anlauf und komme ganz gut an die Pier. Viele Hände von Land, der zur Hilfe gerufene Filip vorne und ich Achtern, machen das Boot unfallfrei fest.

Der Hafenmeister rät dann beim Einklarieren davon ab, in dem zunehmenden Wind wie geplant am nächsten Morgen weiter nach Morro Jable zu segeln. Der Hafen wäre noch windanfälliger, als Gran Tarajal und es würde weiter auffrischen. So entscheiden wir zu bleiben. Ich installiere die Ruckdämpfer und nehme die meisten Leinen doppelt, da der Clipper in den 6 Windstärken im Hafen ganz schön an der Pier arbeitet.

So liegen wir jetzt erst mal hier, der Wind pfeift, das Boot ruckt trotz Ruckdämpfer ordentlich in die Leinen und der Haussegen steht, nach Filips erstem Segeltag mit den geschilderten Erlebnissen rund um das eigene Wohlbefinden, erheblich schief. Wir reden lange über generelle Lebensentwürfe im Allgemeinen, dass es genau so nicht weiter gehen kann im Speziellen und suchen nach Lösungen.

Im Hafen von Gran Tarajal erst mal fest
Brandung der See, durch die wir an diesem Tag gesegelt waren

2 Gedanken zu “Kanarensegeln I (Lanzarote, Fuerteventura)

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