Von Cuxhaven nach Helgoland

Am Morgen holte ich mir die letzten Wetterinformationen und der Weg zu meinem nächsten Etappenziel, Norderney, lag genau in der Richtung, aus der der Wind blies. Das ist nicht zu machen, wenn man mühsam versucht dagegen anzukreuzen.

Der Plan B bestand darin, erst mal nach Helgoland zu fahren. Das ist dann Richtung Norderney auch kreuzen, allerdings verteilt auf zwei Tage mit einem Schlag nach Helgoland und einem zweiten nach Norderney Richtung Westen.

Erholt und aufgeräumt am nächsten Morgen vor der Weiterfahrt

Somit ging es mit einsetzender Ebbe wieder los, ich ließ mir etwas mehr Zeit und bezahlte das mit etwas Fahrtverlust später, als die Strömung mir dann entgegenkam. Was soll’s, ich würde im Hellen ankommen. Also aus Cuxhaven raus, kein unmittelbarer Verkehr, somit direkt rüber gehuscht auf die richtige Fahrwasserseite. Der Wind war ok, Windstärke 4 mit Böen gegen 5 aus Westen. So ging es hart am Wind auf die Nordsee heraus. Das erste Mal auf eigenem Kiel vorbei an den Namen der Untiefen, die ich als Kind mit großen Augen aus den Berichten der Seenotretter immer wieder las. Großer Vogelsand, Scharhörn, Neuwerk. Nun ja, die Bedingungen waren gut, deswegen war ich hier und heute ja unterwegs, bevor es morgen nicht mehr so gut gegangen wäre.

Die Elbe öffnete sich rasch, ich war mir nach wie vor der Strömung bewusst und trieb mein Spiel mit den Tonnen. Ich genoss aber, endlich die Enge hinter mir zu lassen und auf die offene See zu kommen.

Die Helgoland, mit der ich das letzte Mal nach Helgoland, kurz vor dem Lockdown, fuhr.

Ich bog nach Norden und direktem Kurs Helgoland ab und es ging weiter hart am Wind bei etwa 1 – 1,5 Metern Welle mit nur wenigen Kreuzschlägen zur Korrektur durch die Reede der Außenelbe zwischen den dort, auf Fracht oder Liegeplatz wartenden Schiffen, durch.

Dreckschleudern

Diese Rede (Parkplatz für Schiffe auf See) ist in der Karte eingezeichnet. Die Ankerlieger haben natürlich elektronische Hilfsmittel, mit denen Sie die Annäherung anderer Schiffe bemerken und entsprechend gewarnt werden. Könnte schon sein, dass ich den einen oder anderen Alarm auslöste, als ich da quer durch bin. Aber verboten ist es nicht, ich tu keinem was und die sollen ruhig wachsam bleiben oder die Sportboote halt rausfiltern, wenn sie da liegen.

Die Polizei kommt mir nahe, ist es vielleicht doch nicht so ok, durch eine Reede durch zu fahren? Sie fuhren weiter, ich auch …

Das erste Mal auf der offenen Nordsee ! WOW !!! Endlich mal kein Land mehr in Sicht und keine Enge mehr. Man kann auch mal 10 Minuten nicht hingucken, ohne dass man Gefahr läuft, dass einem was in die Quere kommt.

Die Welle der Nordsee ist jedoch ungemütlich, da kurz. Man kachelt immer wieder in diese Wellen hinein, was doof ist. Das heute waren noch gute Bedingungen. Bei zwei bis drei Metern will ich nicht in der Nordsee unterwegs sein. Der Tag ist auf so einem Kurs am Wind ohnehin bestimmt durch die Anstrengung, die jeder Toilettengang, Essen warm machen und einfach jeder andere Ortswechsel mit sich bringt, wenn der Raum um einen herum, sich ständig bewegt und dabei 20 Grad zur Seite geneigt ist.

So ging es dann auf fast direktem Weg auf die Insel. Ich kam gegen 17 Uhr an, auch hier gibt es einen Vorhafen, in dem ich mich auf das Anlegen vorbereiten kann, auch wenn ich hier keinen Anker schmiss, dafür war das hier nicht der Ort. Ich fuhr in den Yachthafen, wo keine Anlegestelle mehr direkt am Steg frei war. Das ist hier normal, mal liegt im Päckchen, einer neben dem anderen, und muss über die innenliegenden Schiffe halt drüber steigen, wenn man an Land will. Ich konnte treibend schnell meine Steuerbordseite zum Anlegen klarmachen, bereitete nur die Fender und eine Leine vor. Schön machen, konnte ich es auch noch, wenn ich mal fest bin.

Eine junge Frau steckte den Kopf aus einem der Boote, als ich auf der Suche nach dem richtigen Partner die Reihen abfuhr. Das war ihr „Fehler“ und das Boot hatte die englische Flagge, war deswegen sympathisch, auch wenn die auf ihrer Seeseite keine Fender ausgebracht hatten, was wenig einladend wirkt und manchmal auch so gemeint ist. War wahrscheinlich noch ein Grund, genau da hin zu wollen.

Also ihr zugerufen, ob ich längsseits gehen kann. Sie sagt was ins Boot, worauf sich die restliche Besatzung aus dem Schiffsinneren auf das Oberdeck ergoss. Sehr nette Leute, die mir beim Anlegen sehr halfen und mit denen ich dann noch ein paar nette Sätze wechselte, bevor ich ans Aufklaren ging.

Stillleben mit Clipper und Seenotrettungkreuzer. Auf das wir uns immer nur im Hafen begegnen müssen.

Hier bleibe ich nun einen vollen Tag. Das Wetter heute am Samstag ist viel zu windig, als dass es Sinn ergeben würde, direkt weiterzufahren. Ich genieße den Hafen, waschen Wäsche, mache meine Törnvorbereitung für Norderney und tausche mich mit dem Skipper, der später an mir wiederum längsseits festgemachten Segelschule aus.

Diese Gespräche sind für mich sehr wertvoll. Die Leute sind alle aufgeschlossen, man kommt schnell ins Gespräch und ich kann meine weiteren Vorhaben durch erfahrene Skipper bestätigen lassen und mir Revierinfos von Ortskundigen holen, die man nur schwer in Büchern findet.

Morgen geht es um 8 Uhr weiter. Die Ansteuerung von Norderney wird eine Herausforderung, da dort Wind gegen Welle auf flachen Wasserstellen stehen wird. Das kann die Einfahrt bei zu starkem Wind unmöglich machen. Morgen sollte das aber funktionieren. Plan B wäre, nach Borkum weiterzufahren, was aber eine weite Strecke ist und nur im absoluten Notfall infrage kommt. Dieser Weg ist eigentlich für den Montag vorgesehen.

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