Von Helgoland nach Norderney

Um 8 Uhr sollte es losgehen. Die sechs im Päckchen innenliegenden Engländer wollten um die Zeit aufbrechen und bis nach Borkum durch fahren. Als ich das hörte, war ich auch kurz am Überlegen, aber die Aussicht auf eine Ankunft frühestens um Mitternacht war mir zu spät. Also Norderney heute.

Hafenausfahrt Helgoland

Der Wind hatte sich beruhigt und ich fuhr relativ gemütlich bei 3-4 Windstärken aus noch perfekter Richtung und vollen Segeln gen Süden.

Wind gut, Wetter gut, alles gut

Voraus befand sich der Ausgang des Verkehrstrennungsgebietes „Terschelling-German-Bight“, einer Autobahn auf See mit Mittelleitplanke auf der Seekarte und Einbahnstraßenregelung. Das erste mal meldete ich mich deswegen bei „German Bight Traffic“ an der Revierzentrale für die Deutsche Bucht, die aufpassen, dass der Verkehr am Laufen bleibt und keiner Blödsinn macht.

„German Bight Traffic für die Segelyacht Clipper, over“

– Pause, sucht das Callsign auf seinem Schirm, räusper, Sprechtaste –

„Segelyacht Clipper, Guten morgen, German Bight traffic“

„German Bight traffic, schönen guten Morgen, die Segelyacht Clipper, 1 Person an Bord, südlich Helgoland. Ich fahre nach Norderney, zunächst Richtung Tonne TG9, passiere diese östlich und danach weiter in der Küstenverkehrszone, wenn das ok für Sie ist.“

„Clipper, das ist eine gute Reiseplanung, gute Fahrt“

„Schönen Dank und standing by on channel 80“

Soso, „gute Reiseplanung“. Da weiß ich jetzt nicht, ob ich zu vorschriftsmäßig war, zu sehr selbstverständlich oder die einfach schon genug Leid gesehen haben, dass sie sich mal über so einen Anruf freuen. Sei’s drum, ich habe mich gut gefühlt.

Dass Durchfahren des Ausgangs des Verkehrstrennungsgebietes war relativ entspannt, ich musste nur einem etwas Platz machen und habe dabei nicht zu viel Höhe am Wind verloren. Dennoch sah das mächtig voll aus, bis ich bemerkte, dass die Hälfte davon Ankerlieger auf Reede waren. Wieder was gelernt, einfach besser Hingucken.

Merke: Alles ohne blaue Kursvorauslinie steht still und muss nicht beachtet werden.

Weiter ging es, vorbei an besagter Tonne TG9, die unter anderem die Ecke des VTG bezeichnet. Ab hier hatte ich jetzt den Wind bei Sonnenschein und wenig Welle Gegenan und musste mühsam und langsam in großen Schlägen Richtung Norderney kreuzen. Es war aber ein sehr schönes Segeln und das Wetter war soweit gut und angenehm.

Beschaulich geht es voran
Winke Winke

Wie schon im letzten Blog geschrien, ist die Einfahrt nach Norderney bzw. die Ansteuerung bei gutem Wetter kein Problem. Bei Ebbe (das ist zu meinem Zeitpunkt der Fall) und bei Wind aus Nord oder Nordwest (ebenfalls der Fall) entsteht wieder das berühmte „Wind gegen Welle“. Allerdings kommt hier dazu, das es außerordentlich Flach in der Zufahrt ist. Es bauen sich in diesen flachen Zufahrten bei sehr starkem Wind Grundseen auf, die schon Rettungskreuzern zum Verhängnis wurden. In meinem Fall hielt sich aber das Wetter und der Wind kam weiter in Stärke 4, was kein Problem sein war. Dennoch war ich etwas angespannt, als ich 1 Stunde vor Einfahrt in das Seegatt stand.

Gegen Ende des Törns wurde es regnerisch. Also rein in die gute Stube und Tür zu

Die Zufahrt war betont und ich hatte mich ordentlich vorberietet. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass diese Tonnen natürlich wesentlich kleiner waren, als die die Trümmer, die aus dem Fahrwasser der Großschifffahrt gewohnt war. Ich musste regelrecht danach suchen, nahm alle Hilfsmittel, die ich hatte zur Hand und überprüfe mittels Radar (bei bester Sicht), ob die wenigstens da lagen, wo mich die Karte mich das Glauben machen wollte. Ich wusste aus dem Revierführer, dass die Tonnen auch mal verlegen, wenn sich das Fahrwasser ändert. Aber sie waren da, kamen spät in mein Sichtfeld und mit abnehmender Tiefe wurden die Tonnen dann auch größer bzw. standen in gutem Abstand.

Da ist so eine Tonne auf dem Bild, sichtbar aus guter Nähe….

Der Wind spielte zum Schluss nicht mehr mit und ich hatte genug mit meiner Revierfahrt zu tun, so dass ich die Insel komplett unter Motor mit ordentlichen 2,5 Knoten Gegenstrom der Ebbe zwischen den Süden Nudeln überwand.

Die Einfahrt in den Hafen war ok, der Yachthafen auch. Die erste Box war zu klein, weiter weg vom Ufer fand sich aber eine schöne Ecke, ein netter Stegnachbar half beim Anleger und ich mache mich mal daran, den kommenden Tag vorzubereiten.

Ein schöner, aber langer Segeltag.

2 Gedanken zu “Von Helgoland nach Norderney

    • Hallo Matthias,

      habe jetzt mal Deine Berichte gelesen und mich an den Videos erfreut.
      Habe Mama auf Deine Blogs angesprochen, als sie reinkam, sie sagte “furchtbar”!
      Du erlebst ja allerhand und kamst in Holland in die Nähe meiner Fahrt mit Klaus Kämmer und Zeppernik aus der Schulklasse mit den Paddelbooten. Im schlechtesten Sommer seit etlichen Jahren, mit viel Regen, das morgens auch mal im Zelt stand, waren wir die Ijssel runter und dann über Kanäle bis nach Ernewoude gekommen und dann später wieder mit den beiden Booten bis zur Schleuse nach Lemmer am Rand des Ijsselmeers. Da war Sturm, aber nach etwa zwei Tagen Warten nahm uns ein Kümo bis nach Rotterdam mit, wo wir mir wenig Geld im schwimmenden Seemannsheim unterkamen und bei den Chinesen für wenig Geld ordentlich zu essen bekamen.
      Dass Du jetzt mit Deinem Boot nach Helgoland und Norderney kamst, ist ja toll.
      Auch wir bekamen es damals zu spüren, dass die Deutschen im Krieg die Schleusen geöffnet hatten, Rotterdam zerbombt hatten etc. Vielleicht denkt da heute noch mancher dran. Wobei Holland ein sehr schönes, sauberes und sympathisches Land ist und ich von den Geschäftsbesuchen her sehr schöne Erinnerungen an das Land, die Lokale und die Hotels habe. Auch mit Jochen Kuschnick war ich mal mit einem umweltfreundlichen BMW, der total untermotorisiert und schrecklich zu fahren war, dort.
      Deine Fotos sind toll beeindruckend, und ganz speziell das Foto am frühen Morgen bei Amsterdam mit der niedrigen Sonne und dann auch die Videos während der Fahrt mit dem Seegang.
      Ich wünsche Dir jetzt weiter gute Fahrt, die zu zweit wohl dann auch weniger aufregend ist und bin auch auf Deine weiteren Schilderungen sehr gespannt. Dein Boot macht sich ja toll!
      Liebe Grüße, Papa

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