Vigo (ES), Baiona (ES) und die Überlegungen zu segelbarem Wind

Sonntag 18.10. bis Freitag 23.10.2020

Es lesen ja einige mit, die noch nie gesegelt sind und für die manche Vokabel völlig unverständlich ist. Ich versuche Fachbegriffe zu erläutern. Falls mir das mal nicht gelingt und ihr das nicht einfach überlesen wollt, könnt ihr hier mal schauen, ob das Wort erklärt ist. Ich finde die Erläuterungen nett und sehr verständlich geschrieben: Seglerlexikon

Soooo, Vigo gefällt schon deutlich besser als La Coruña. Die Straßen sind breit und die Fassaden herrschaftlich, überall ist Kunst und Parks. Sehr nett.

Liegeplatz in Vigo

Wir haben die drei Tage viel im Boot gemacht. Das Wetter war nun mal schlecht, sonst wären wir ja auch nicht so lange da geblieben. Filip hat ein neues Projekt und stellt aus natürlichen Grundstoffen Farben her, mit denen er zeichnet und malt. Hierzu stand eine eigens angeschaffte elektrische Herdplatte mit Topf kaum still und köchelte Avocadokerne und Schalen usw. Das geht nur im Hafen mit elektrischem Landanschluss.

Ich schrieb den letzten Blog, plante Optionen für die kommende Reise, kaufte neue Schäkel und Blöcke, die die installierten Provisorien in den Vorsegeln wieder ablösen sollten und hatte vor allem auch ein paar Calls im KN Projekt und verdiente mir so ein paar Euro.

Einen Stadtrundgang haben wir dann aber doch hinbekommen und wenige Bilder gemacht.

Lustig war das Bezahlen beim königlichen Yachtclub. Man betritt das vornehme Treppenhaus. Nach oben geht es zum Club und den Gesellschaftsräumen der erlauchten Mitglieder. Ich allerdings durfte rechts abbiegen und fragte mich bis in die letzte Ecke dieser Art von Büros durch, die nicht so recht wissen, ob sie noch Umschlaglager oder schon Büro sind. Die bei der Anmeldung zu machenden Angaben werden immer umfangreicher. Genügte in Rosscoff (FR) noch die Kreditkarte alleine, wird hier bereits allerhand an Daten zu Boot, Passnummern, Adressen von Eigentümer, Skipper und Crew, Versicherungsnummern usw. verlangt. In Portugal soll es noch bürokratischer werden. Wir werden sehen. Dennoch alle sehr freundlich hier und oben hätte man bestimmt auch etwas bekommen, wenn man denn gewollt hätte…

Nobel, aber Gäste biegen hier zum Bezahlen rechts ab…
Baiona

Am Mittwoch fuhren wir dann um die Ecke nach Baiona, das als unglaublich schönes ruhiges altes Städtchen beschrieben wird. Man kann hier gut vor oder nach großen Segel-Schlägen Energie tanken. Ich wollte das jedenfalls mal sehen und da es in der Bucht gegenüber einen Strand mit jeder Menge Surfschulen gibt, bei denen man sich stundenweise ein Brett leihen kann, hatten wir beide einen guten Grund, hier auf besser Wetter zu warten.

Der hässliche Autofrachter versperrt mir den Weg nach Baiona. Da ich ihm nicht vor den Bug fahren wollte, hab ich ihn passieren lassen und bin danach abgebogen. Diese schwimmenden Parkhäuser sind wirklich hässlich.

In Baiona gingen wir gar nicht in die Marina, da auf der einen Seite der Bucht Surfen und auf der anderen Seite die schöne Altstadt war. Also blieben wir vor Anker und pendelten bei Bedarf. Wir wuschen hier Wäsche, Filip skatete, surfte, wir machten den obligatorischen Stadtrundgang und ich freue mich schon darauf, hier mal wieder herzukommen, wenn was los ist.

Das erste Anlanden mit dem Dinghy war dann hier noch etwas unbeholfen. Wir haben aus Angst vor Diebstahl alles ausgebaut, mit einem Drahtseil verbunden und angekettet. Eine elende Schlepperei.

Alles abgebaut und angeseilt. Was eine Arbeit.
Mittlerweile machen wir das Dinghy einfach so fest. Das Stahlseil führt durch Batterie, Motor sowie das Schlauchboot selbst und das Fahrradschloss vollendet. Das muss auch reichen. Hauptsache das Schloss ist hoch genug, dass es nach ein paar Stunden nicht unter Wasser liegt.
Stolz wie Harry
Auf der Fortaleza de Monterreal kann man toll spazieren gehen.
…und die Zinnen haben Aussicht
Das Museo Carabela La Pinta hat man in Biona gebaut, da dieses Schiff damals als erstes nach Baiona zurück kam und hier von der Entdeckung Amerikas berichtete.
Noch mal tanken und Wasser nehmen. Das letzte Mal hatten wir Diesel in Frankreich gebunkert
Segelbarer Wind

Morgen früh geht es nun weiter. Wir wollen zwischen 6 und 7 Uhr loskommen, um den nächsten Hafen Viana do Castelo bei Tageslicht anlaufen zu können.

Dabei musste ich die Frage, was für uns „segelbarer Wind“ ist, etwas weiter fassen. Der Wind wird morgen mit irgendwas zwischen 25 -35 Knoten in Böen aus Süden kommen. Das ist jede Menge aus der Richtung, in die wir wollen und eigentlich ein Schluck zu viel.

Die Überlegung ist nun, dass wir sowieso weiter rausmüssen, um den vielen Fischernetzen vor der portugiesischen Küste zu entkommen. Somit fahren wir nicht rechtwinkelig, in Grad ausgedrückt 270-180-090, sondern fahren ein Dreieck und kreuzen somit gegen den Wind in zwei großen Schlägen. Die bestimmenden Wellen sind von irgend einem Tief im Nordatlantik und kommen grob von Steuerbord querab, sodass wir da nicht gegenan bolzen.

Der Weg morgen sollte dann etwa so aussehen, wir aber etwas länger dauern als 14:30 Uhr

Meine Sorge ist nur, dass der Hafen ansteuerbar bleibt, da der Wind genau in die Hafeneinfahrt steht und zunimmt. Viana do Castelo ist aber ein großer Hafen und sollte zu fast allen Bedingungen befahrbar sein. Soweit der Revierführer. Das wird wahrscheinlich morgen anstrengend, bringt uns aber wieder ein Stück nach Süden und weg vom Einfluss der nordatlantischen Tiefs.


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